Erzählt von Alicia. (Team-Mitglied, Das Schwarze Schaf)
Romeo war einer dieser Kater, die man im Tierheim eigentlich kaum zu Gesicht bekommt. Er war da – aber eigentlich nie zu sehen. Er hat sich den ganzen Tag versteckt, immer im Schatten, immer außer Reichweite. Nur zu einer einzigen Frau, die im Tierheim half und regelmäßig Katzen versorgte, hatte er überhaupt irgendeine Art von Beziehung. Bei allen anderen war er einfach nur: weg. Scheu bis zur Unsichtbarkeit. Und das wirklich extrem.
Das Problem war: Romeo war krank. Aber niemand konnte ihn anfassen. Keine Untersuchung, keine Behandlung – nichts war möglich. Als ich in Rumänien war, um Laura und die Fellnasen zu unterstützen, haben Laura und ich eine Art Falle gebaut, damit wir ihn überhaupt kurz sichern konnten. Das zeigt eigentlich schon alles: Man musste eine Falle bauen, um einen völlig verängstigten, kleinen Kater behandeln zu können.
Als wir ihn später auf eine Pflegestelle schickten, hofften wir, dass er dort auftauen würde. Aber das Gegenteil passierte. Es wurde schlimmer. Er versteckte sich wochenlang hinter dem Kühlschrank. Manchmal rief die Pflegestelle bei mir an: „Ich weiß nicht, wo Romeo ist. Ich habe ihn seit zwei Tagen nicht gesehen.“ Es war herzzerreißend. Ein Tier, das lebt – aber nicht lebt.
Wir haben ihn deshalb lange nicht gepostet. Wir dachten: Gib ihm Zeit. Vielleicht kommt er raus. Vielleicht irgendwann. Aber es passierte nichts. Also entschieden wir uns nicht für eine normale Vermittlung, sondern für einen Gnadenplatz. Eine Familie, die nichts von ihm erwartet. Keine Nähe, keine Streicheleinheiten, kein „Er wird schon noch“. Einfach ein Ort, an dem er sein darf, wie er ist. Und vielleicht wenigstens einen Garten hat.
Und dann meldete sich eine Frau. Sie hat ihn gar nicht vorher besucht – es hätte sowieso nichts gebracht. Man hätte ihn ja nicht gesehen. Innerhalb von ein paar Tagen passierte das, womit niemand gerechnet hatte. Romeo wurde zutraulich. Nicht ein bisschen. Sondern richtig. Zärtlich. Nähe-suchend. Ein völlig neuer Kater. Die Familie war darauf gar nicht eingestellt. Wir auch nicht. Wir standen alle einfach nur da und dachten: Was ist hier passiert? Aber eigentlich war es ganz einfach: Er hatte „seine“ Menschen gefunden. Es war dieses eine, absolute Match.
Für mich ist Romeo die Erinnerung daran, dass manche Tiere nicht „schwierig“ sind. Sie warten nur auf ihre Menschen.




