Erzählt von Chiara A. (Team-Mitglied, Das Schwarze Schaf)
Hallo liebe/r Tierfreund*in,
mein Name ist Chiara und ich bin als Hunde- und Katzenvermittlerin für „Das schwarze Schaf“ im Einsatz. Heute möchte ich eine ganz besondere Happy-End-Geschichte mit Dir teilen – meine eigene. Es ist die Geschichte, wie meine Hündin Nuvi zu mir fand und nicht nur mein Zuhause, sondern auch meine Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes bereichert.
Meine Liebe zu Tieren begann, als ich ein kleines Mädchen war. An Geburtstagen und zu Weihnachten war mein Wunsch immer derselbe: Ein Haustier, am liebsten einen Hund. Leider ist meine Mutter allergisch auf Tierhaare, also blieb es lange bei diesem Traum. Nur ein paar Rennmäuse hielten für eine Weile bei mir Einzug. Aber ich wusste: Sobald ich einmal in meinen eigenen vier Wänden lebe, wird sich dieser Herzenswunsch erfüllen.
2023 war es endlich soweit. Ich lebte mit meinem Freund zusammen und wir wollten Katzen adoptieren. So kam ich zum ersten Mal mit „Das schwarze Schaf“ in Kontakt. Kurz darauf flog ich erstmals als Volontärin zu Laura nach Rumänien. Ich war zutiefst beeindruckt von ihrer Arbeit und wusste sofort: Ich möchte mehr tun! Zurück in der Schweiz wurde ich auch Pflegestelle für Katzen. Bei meiner Abreise versprach ich Laura, eines Tages wiederzukommen – um mir gemeinsam mit meinem Freund einen Hund auszusuchen.
Nach einem Stellenwechsel als Psychologin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie wagte ich den nächsten Schritt: Ich sprach mit meinen Vorgesetzten und fragte, ob sie mich in meinem besonderen Vorhaben unterstützen würden. Ich wollte einen Hund adoptieren und zum Therapiehund ausbilden lassen, um ihn in meine Arbeit mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen integrieren zu können. Home-Office war in meinem Beruf keine Option – der Hund müsste also mein treuer Begleiter im Klinikalltag werden.
Die Zustimmung meiner Chefin war das grüne Licht, auf das ich gewartet hatte! Für mich stand außer Frage, dass der Hund aus dem Tierschutz kommen musste – das entspricht einfach meiner Überzeugung. Obwohl mein Freund und ich bis zu diesem Zeitpunkt keine Hundeerfahrung hatten, hatte ich klare Vorstellungen: Unser zukünftiger Hund sollte die Therapieausbildung meistern und sich sowohl mit Erwachsenen als auch mit Kindern und Jugendlichen wohlfühlen.
Sofort schrieb ich Laura, fast ein Jahr nach meinem ersten Besuch, und kündigte an, dass ich mein Versprechen einlösen würde. Laura, die ihre Schützlinge sehr gut kennt, stellte mir eine Liste mit passenden Hunden zusammen. Als mein Freund und ich dann im September 2024 in Rumänien landeten, waren zwar einige davon schon vermittelt, aber Laura hatte etwa zehn andere Hunde für uns im Blick, von denen sie sich vorstellen konnte, dass sie zu uns und zur Therapiehundausbildung mit der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen passen würden.
Die Auswahl fiel uns alles andere als leicht! Wir trafen eine Vorauswahl und verbrachten die nächsten Tage damit, die Hunde besser kennenzulernen – inklusive eines wichtigen Tests, wie sie auf Katzen reagierten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir alles sehr romantisch vorgestellt: Wir gehen hin und „unser“ Hund entscheidet sich für uns. Es war mir nicht bewusst, wie schwer uns die Entscheidung fallen würde – dass wir uns nicht einfach nur für einen Hund, sondern damit auch aktiv gegen andere entscheiden müssten.
Am Ende waren es zwei Hunde, die es uns besonders angetan hatten: Nuvi und Pepper. Beide sahen sich ähnlich, hatten aber unterschiedliche Charakterzüge. Laura war sich sicher, dass sich beide eignen würden. Doch Nuvi passte einfach noch ein bisschen mehr zu uns als Pepper. Also entschieden wir uns für sie. Gleichzeitig brach mein Herz jedoch für Pepper – an meinem zweitletzten Abend in Rumänien saß ich im Hotel und weinte bitterlich um ihn. Ich wusste, dass er seit Jahren keine Anfrage erhalten hatte und schon lange im Tierheim war.
Nuvi war zwar vom Alter ähnlich wie Pepper, aber noch nicht lange im Tierheim und hätte vermutlich bessere Adoptionschancen gehabt. Sie war einige Wochen zuvor von Laura mit ihren vier Welpen aus der Tötungsstation gerettet worden. In der Junihitze von Rumänien bei etwa 40 Grad hatte sie diese Welpen auf die Welt gebracht – total unterernährt und ohne jegliche Hilfe. Ziemlich sicher hatte sie sogar mehr Welpen gehabt, da eine Hündin in ihrer Größe meist mehr als vier Welpen bekommt. Ob die anderen bereits im Bauch oder später in der Tötungsstation – vor Lauras Rettung – gestorben sind, wird für immer ein Rätsel bleiben.
Vor Nuvis Ankunft war ich sehr nervös, ob wirklich alles aufgehen würde: Wir hatten keine Hundeerfahrung, es war ein Hund aus dem Tierschutz und ich hatte diese großen Ziele mit der Therapiehundausbildung. Es gab keinen Plan B, falls sie sich nicht als Therapiehündin eignen würde. Aber dennoch hatte ich ein gutes Gefühl und volles Vertrauen – in Nuvi, in mich selbst und in Lauras hervorragende Hundekenntnis.
Zwei Wochen später, nachdem mein Freund und ich Nuvi kennengelernt hatten, reiste sie zu uns in die Schweiz ein – und erwies sich sofort als absoluter Traumhund! Sie ist die gelassenste und entspannteste Seele von allen. Schon nach zwei Wochen durfte sie mich das erste Mal zur Arbeit begleiten und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Alle diese neuen Herausforderungen meisterte sie mit Bravour. Ihre Therapieausbildung hat sie inzwischen erfolgreich abgeschlossen und sie bereichert nun täglich meine Arbeit. Sie bringt nicht nur mir unendlich Freude und Ruhe, sondern ist auch die perfekte Eisbrecherin, Trösterin, Liebesspenderin und Entspannungsfaktor bei der Arbeit. Die Kinder und Jugendlichen lieben sie!
Nuvi ist seit über einem Jahr bei uns und wir lieben sie über alles. Sie spiegelt mich auf wunderbare Weise und ich entdecke immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen uns.
Das einzig Traurige an dieser Geschichte ist, dass wir Pepper damals zurücklassen mussten. Doch wie es ihm erging? Das verrate ich im nächsten Newsletter – denn auch Pepper (heute mit dem Namen Yuki) hat ein Happy End gefunden!
Alles Liebe,
Deine Chiara mit Nuvi

